Kollektivbetrieb gründen in 4 Schritten

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1. Schritt: Gruppenfindung

  • Was ist eure gemeinsame Vision? Hier geht es darum, eine Gruppenidentität herauszuarbeiten.
  • Was sind eure Ziele? Wo unterscheiden sich eure persönlichen Ziele? Welche Ziele müssen erreicht werden, damit das Projekt nicht gescheitert ist und welche Ziele sind eher Fernziele oder Ideale?
  • Wie wollt ihr zusammen Entscheidungen treffen? Wie wollt ihr diese umsetzen?
  • Wer soll welche Aufgaben und Verantwortungsbereiche haben?
  • Welche Ressourcen (Zeit, Geld, Wissen) könnt und wollt ihr dem Projekt zur Verfügung stellen? Welche nicht bzw. wo ist eure persönliche Grenze? Was braucht ihr von der Gruppe um euch bestmöglich einbringen zu können?

2. Schritt: Business Plan, Finanzplan

  • Was wollt ihr produzieren/anbieten? Wer interessiert sich für euer Produkt? Habt ihr die Leute schon mal gefragt, ob sie euer Angebot wirklich brauchen (hierfür ist die Design-Thinking-Methode hilfreich)?
  • Welche Investitionen sind dafür erforderlich? Woher bekommt ihr das Geld (Anteile, Crowdfunding, Kredite)? Mit welchen Einnahmen und Kosten rechnet ihr?
  • Bei diesem Schritt kann das „Business Model Canvas“ helfen. Auf der linken Blatthälfte tragt ihr ein, welche Stärken, Ressourcen und Fähigkeiten ihr habt. In die rechte Blatthälfte kommt, wer eure Zielgruppe ist, welche ihrer Bedürfnisse vom Markt noch nicht erfüllt sind (Marktanalyse) und auf welchen Kommunikationswegen ihr diese Zielgruppe erreicht (Marketing). Unten stehen links eure voraussichtlichen Kosten und rechts euer erwarteter Gewinn, ähnlich wie in einer Bilanz. Kosten und Gewinn müssen nicht nur finanziell sein: die Kosten können auch 50 Stunden ehrenamtliche Arbeit sein mit dem erhofften Gewinn, dass die Zielgruppe glücklich ist oder politische Veränderungen bewirkt wurden. Trotzdem sollten auch die finanziellen Aspekte mit etwas Pessimismus (worst-case) kalkuliert werden.

3. Schritt: Prozesse in Gang setzen

  • Wenn ihr wisst, welche Ziele ihr als Gruppe habt und welcher Zielgruppe ihr welches „Produkt“ anbieten wollt, überlegt, wie ihr diese Ziele am besten erreichen wollt.
  • Welche Werkzeuge (z.B. Hardware, Software, Online-Tools) könnt ihr gebrauchen?
  • Welche Abläufe könnten sinnvoll und ressourcensparend sein?
  • Hier geht es nicht mehr um abstrakte Ziele, sondern um das Ausprobieren:
    • Beginnt mit der Arbeit!
    • Sucht euch erste Nutzer*innen!
    • Bietet eine Testversion an!
  • An dieser Stelle können auch agile Methoden hilfreich sein, z.B. Scrum, Kanban, Soziokratie, Liberating Structures. Diese können eine Alternative zum Plenum darstellen. Sie können helfen, Aufgaben und Gruppenrollen zu klären und schwammige informelle Hierarchien zu vermeiden. Plenumsdiskussionen als einziger Ort gemeinsamer Entscheidungen sind eine Brutstätte für informelle Hierarchien, die Diskriminierungsmuster nach Geschlecht und Herkunft bestärken kann.
  • Hier könnt ihr euch auch schon um eine Steuernummer und ggf. Gewerbeanmeldungen kümmern, ebenso wie z.B. eine gute Webseite.

4. Schritt: Rechtsform, Steuern, Buchführung

  • Wenn ihr genau wisst, wer ihr seid, was ihr wollt, wie ihr euch in den nächsten zwei Jahren entwickeln wollt, was euer Produkt ist und wie ihr arbeiten wollt, DANN aber auch erst dann ist es sinnvoll, sich eine passende Rechtsform zu suchen.
  • Es gibt weder eine „richtige“ noch eine „perfekte“ Rechtsform, sondern viele Möglichkeiten, die alle unterschiedliche Vor- und Nachteile haben. Entscheidend ist, was euch wichtig ist und zu euch am besten passt, ohne im Alltag zu stören. Das kann eine Genossenschaft (eG) ebenso sein, wie eine Gmbh, eine GbR oder vielleicht sogar ein Verein (e.V.).
  • Spätestens jetzt solltet ihr euch auch um die Formalitäten (Gewerbeanmeldungen, Finanzamt) kümmern und vielleicht mit einer Steuerberater*in euer Projekt durchsprechen.
  • Kümmert euch um eine gute Buchführung.
  • Hierfür gibt es z.B. auch Fortbildungen, Workshops und Beratungen.

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